{"id":1212,"date":"2019-10-15T11:41:20","date_gmt":"2019-10-15T09:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-hmg-erfurt.de\/?p=1212"},"modified":"2019-10-15T11:41:20","modified_gmt":"2019-10-15T09:41:20","slug":"vortrag-von-prof-dr-bentzinger-anlaesslich-der-vorstellung-der-festschrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/2019\/10\/15\/vortrag-von-prof-dr-bentzinger-anlaesslich-der-vorstellung-der-festschrift\/","title":{"rendered":"Festrede Prof. Dr. Bentzinger anl\u00e4\u00dflich der Vorstellung der Festschrift"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4\u00dflich der Vorstellung der Festschrift &#8222;Heinrich-Mann-Gymnasium Erfurt, Staatliches Gymnasium Zur Himmelspforte 1844 -2019&#8220; hielt Prof. Dr. Bentzinger, Stiftungsrat der Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat, eine Festrede, mit der er die Zeitl\u00e4ufte der Schule bis in die Gegenwart zeichnete. Wir freuen uns, dass Herr Prof. Dr. Bentzinger seine Worte f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung an dieser Stelle zur Verf\u00fcgung gestellt hat.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen--><br \/>\n<a>Begr\u00fc\u00dfung<\/a><\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p>Normal<br \/>\n0<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>false<br \/>\nfalse<br \/>\nfalse<\/p>\n<p>DE<br \/>\nX-NONE<br \/>\nX-NONE<\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!-- [if gte mso 10]&gt;--><\/p>\n<p> \/* Style Definitions *\/<br \/> table.MsoNormalTable<br \/>\t{mso-style-name:&#8220;Normale Tabelle&#8220;;<br \/>\tmso-tstyle-rowband-size:0;<br \/>\tmso-tstyle-colband-size:0;<br \/>\tmso-style-noshow:yes;<br \/>\tmso-style-priority:99;<br \/>\tmso-style-parent:&#8220;&#8220;;<br \/>\tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;<br \/>\tmso-para-margin-top:0cm;<br \/>\tmso-para-margin-right:0cm;<br \/>\tmso-para-margin-bottom:10.0pt;<br \/>\tmso-para-margin-left:0cm;<br \/>\tline-height:115%;<br \/>\tmso-pagination:widow-orphan;<br \/>\tfont-size:11.0pt;<br \/>\tfont-family:&#8220;Calibri&#8220;,sans-serif;<br \/>\tmso-ascii-font-family:Calibri;<br \/>\tmso-ascii-theme-font:minor-latin;<br \/>\tmso-hansi-font-family:Calibri;<br \/>\tmso-hansi-theme-font:minor-latin;<br \/>\tmso-bidi-font-family:&#8220;Times New Roman&#8220;;<br \/>\tmso-bidi-theme-font:minor-bidi;<br \/>\tmso-fareast-language:EN-US;}<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Direktorin Berke!<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau B\u00fcrgermeisterin Hofmann-Domke!<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Vorsitzender des F\u00f6rdervereins, Herr Jungnickel!<\/p>\n<p>Sehr geehrte Lehrer und Mitarbeiter des Heinrich-Mann-Gymnasiums Erfurt!<\/p>\n<p>Liebe Sch\u00fcler!<\/p>\n<p>Liebe G\u00e4ste!<\/p>\n<p>Zuvor m\u00f6chte ich dem sch\u00f6nen Auftrag nachkommen, die Gr\u00fc\u00dfe der Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat in Bonn, bei der ich als stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates fungiere, anl\u00e4sslich dieser Festveranstaltung dem Heinrich-Mann-Gymnasium Erfurt zu \u00fcberbringen. Diese Stiftung wurde 1955 als Verein begr\u00fcndet, um das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung des mitteldeutschen Raumes als Kulturlandschaft auch in der alten Bundesrepublik wachzuhalten. \u00a01976 wurde der Verein in eine Stiftung des \u00f6ffentlichen Rechtes umgewandelt, \u00a0verfolgt also ausschlie\u00dflich gemeinn\u00fctzige Zwecke. Dazu geh\u00f6rt auch die F\u00f6rderung von schulgeschichtlichen Projekten. Bereits Anfang der 1970er Jahre brachte der Mitteldeutsche Kulturrat drei B\u00e4nde \u201eAus der Geschichte bedeutender Schulen Mitteldeutschlands\u201c heraus, deren dritter Band 1972 den Gymnasien Th\u00fcringens gewidmet ist. Hier geht es auch um das Erfurter Gymnasium; folglich werden einige Lehrer, die auch an dieser Schule gewirkt haben, gew\u00fcrdigt, Gottfried Wolterstorff und Hieronymus Krause. Eine freundliche Rezension der von Michael Friese, Karl Heinemeyer und Michael Ludscheidt herausgegebenen Festschrift \u201e450 Jahre Ratsgymnasium Erfurt 1561 \u2013 2011\u201c wurde im Publikationsorgan unserer Stiftung, dem Mitteldeutschen Jahrbuch, ver\u00f6ffentlicht, und gern haben wir die heute vorzustellende Festschrift personell und finanziell gef\u00f6rdert. Wir, die Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat, gratulieren dem Heinrich-Mann-Gymnasium Erfurt, dem Staatlichen Gymnasium \u201eZur Himmelspforte\u201c von Herzen zu ihrem bedeutenden Jubil\u00e4um und w\u00fcnschen der Direktorin, Frau Berke, allen Lehrkr\u00e4ften und Mitarbeitern und nat\u00fcrlich auch allen Sch\u00fclern Gesundheit, Freude und Erfolg bei der Arbeit und heute einen guten Verlauf der zu Recht frohen Veranstaltung.<\/p>\n<p><a>Teil 1<\/a><\/p>\n<p>Nun zum eigenen Erleben:<\/p>\n<p>Es ist nicht einmal ein Zwanzigstel meiner Lebenszeit \u2013 sie hat \u00a0fast die H\u00e4lfte der Jahre dieser Schule erreicht -, die ich hier verbrachte, von 1950 \u2013 1954, aber f\u00fcr uns, die wir die Kindheit in der Kriegs- und Nachkriegszeit verbracht haben, waren es pr\u00e4gende Jahre, und durch eine Besonderheit erlebte unsere Klasse \u2013 der altsprachliche Zweig mit den Fremdsprachen Russisch, Latein und Griechisch \u2013 einiges der Schulgeschichte hautnah: Die H\u00e4lfte unserer ohnehin kleinen Klasse war katholisch \u00a0und besuchte das Internat \u201eConradhaus\u201c, und \u00a0zu den nicht gerade seltenen katholischen Feiertagen wurde uns \u00fcbrig gebliebenen 5 \u2013 6 Sch\u00fclern kein Stoff vermittelt, sondern Schulgeschichte erz\u00e4hlt: Herr Dr. Teitge, unser erster Griechisch-Lehrer, eigentlich Germanist und Historiker, berichtete \u00fcber die Geschichte der alten Porta coeli vom Amplonianum in der Michaelisstra\u00dfe \u00fcber die Zeit in der Marktstra\u00dfe bis zum Umzug in das hiesige Geb\u00e4ude. Das Sp\u00e4tmittelalter spielte dabei eine besondere Rolle. Selbstverst\u00e4ndlich wusste er, dass das Realgymnasium nicht der juristische Nachfolger des Universit\u00e4tskollegs war, sondern dass eine Namens\u00fcbertragung vorliegt, aber die Berufung der Schule auf eine Universit\u00e4tstradition wurde mit Herzblut vermittelt. Unser Lateinlehrer, Herr Oberstudiendirektor Franke (Titel waren damals noch wichtig) schilderte anschaulich alle Vorg\u00e4nge beim Neubau der Schule, die er als Direktor ja gelenkt hatte, und die ersten Jahre im heute denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4ude. So waren wir Vierzehnj\u00e4hrige schon eingestimmt in die Schicksale der Schule, die wir gern als \u201eunsere\u201c sahen. Es ging nicht um Elitebewusstsein oder gar Standesd\u00fcnkel, sondern um die Verpflichtung, sich durch gute Leistungen dieser traditionsreichen Einrichtung w\u00fcrdig zu erweisen. Die Anforderungen waren hoch; eine Zwei gab es nur bei Leistungen, die \u00fcber das im Unterricht Gebotene weit hinaus gingen, eine Eins gab es nur in ganz seltenen F\u00e4llen, das Ziel hatte f\u00fcr alle die Drei, das \u201eGen\u00fcgend\u201c, zu sein,\u00a0 denn das hie\u00df, dass jeder den Anforderungen an die \u201e\u00fcber dem Durchschnitt Stehenden\u201c \u201egen\u00fcgte\u201c. Auch Pr\u00fcfungen wurden ernst genommen. Zu meinem Abitur erschien Dr. Wolterstorff in Frack und Zylinder. Das kam uns damals auch komisch vor \u2013 f\u00fcr mich eine Schrecksekunde, denn ich musste ernst bleiben, auf ihn zugehen,\u00a0 ihn begr\u00fc\u00dfen, denn wenig sp\u00e4ter war er mein Pr\u00fcfer -, aber es war doch ein Zeugnis f\u00fcr die Achtung, die auch die Lehrer der Schulabschlusspr\u00fcfung entgegenbrachten.\u00a0 Es herrschte ein heute unvorstellbares pers\u00f6nliches Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis: Dr. Wolterstorff \u00a0kondolierte seinen Sch\u00fclern schriftlich, wenn ein naher Angeh\u00f6riger \u00a0verstorben war. Fehler wurden zwar als normal bei Sch\u00fclern angesehen, aber der Sch\u00fcler bekam einen charakteristischen Fehler gern unter die Nase gerieben. Dr. Wolterstorff war hier Meister. \u00dcber Jahrzehnte hinweg merkte er sich Fehler seiner Sch\u00fcler. Das war das Gl\u00fcck eines Klassenkameraden von mir: Wir hatten die korrigierten Klassenarbeiten von den Eltern unterschreiben zu lassen. Dieser Mitsch\u00fcler stammte aus einer Gelehrtenfamilie, sein Vater war ein in Erfurt hochangesehener Pfarrer, und als dieser ob eines Fehlers in der Griechischarbeit eine Philippika starten wollte, grinste mein J\u00f6rg: \u201eDer Wolterstorff hat gesagt: Du hast das auch falsch gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Es geht jetzt keineswegs um Nostalgie. Wenn\u00a0 heute das 175j\u00e4hrige Bestehen dieser Schule als staatliche Einrichtung gefeiert wird, soll das hohe Niveau dieses Gymnasiums bzw. Realgymnasiums gew\u00fcrdigt werden. Mein erstes Zeugnis tr\u00e4gt noch den Stempel \u201eSchule \u201aZur Himmelspforte\u2018\u201c, aber im Januar 1951 erfolgte die Umbenennung in Heinrich-Mann-Schule. Wir waren dar\u00fcber keineswegs gl\u00fccklich, und unser Klassenlehrer Konrad Franke erkl\u00e4rte leidenschaftslos: \u201eWenn meine alte Himmelspforte stirbt, muss ich nach Hause gehen.\u201c Er blieb den Feierlichkeiten fern. Brachte der neue Name ein neues Leben oder gar einen Umbruch? Der Direktor Hieronymus Krause blieb \u2013 zun\u00e4chst. Er hielt hier in der Aula z\u00fcndende Reden \u2013 er war fr\u00fcher katholischer Priester gewesen, und man sagte ihm nach, dass er stets volle Kirchen hatte \u2013 und sprach leidenschaftlich \u00fcber das Heinrich-Mann-Zitat \u201eEuer Volks liebend, k\u00f6nnt ihr die Menschheit nicht hassen\u201c. Diesen Satz lie\u00df er auch im Foyer im ersten Stock gegen\u00fcber dem Eingang zum Musiksaal und zur Aula anbringen. Mich hat er stark beeindruckt, denn immerhin habe ich als kleiner Junge den Zweiten Weltkrieg mit seinen schrecklichen Folgen erlebt. Der junge Herausgeber der heutigen Schulfestschrift Tom Fleischhauer arrangierte die Verbindung zum Literaturarchiv der Akademie der K\u00fcnste in Berlin, und Frau Christina M\u00f6ller informierte uns, dass dieses Zitat aus einem Essay Heinrich Manns stammt mit dem Titel \u201eDas junge Geschlecht\u201c. Sie kommentierte: \u201eDarin wendet er sich an junge Menschen, weshalb das Zitat im Schulzusammenhang sehr passend ist.\u201c K\u00f6nnte ein solches Fest wie das heutige nicht ein Anlass sein, diesen Satz des Namenstr\u00e4gers der Schule\u00a0 wieder an w\u00fcrdiger Stelle in diesem Geb\u00e4ude anzubringen?<\/p>\n<p>Ehrlichkeit gebietet den Hinweis, dass dieser sch\u00f6ne Spruch im Foyer in den Wirren dieser Jahre nicht die Wirkung hatte, die er verdient h\u00e4tte. Es kam bald der Einbruch sozialistischer Indoktrination, die in den in der Festschrift mehrmals geschilderten Kirchenkampf im Fr\u00fchjahr 1953 m\u00fcndete. Die Schulleitung hatte ihn nicht initiiert; unvergesslich bleibt mir der Ausruf des Genossen Caesar (er hie\u00df tats\u00e4chlich so!) von der benachbarten FDJ-Schule hier in dieser Aula: \u201eIch glaube, man muss an dieser Schule etwas radikal vorgehen!\u201c Wenn mehr als 100 Sch\u00fcler, die sich geweigert hatten, einen Text zu unterschreiben, die Junge Gemeinde als Nachwuchsorganisation der Evangelischen Kirche sei ein Handlanger des aggressiven Imperialismus, \u00a0beim Fahnenappell\u00a0 vom Direktor erfahren, sie seien \u201ebeurlaubt\u201c, sich \u00a0umdrehen und stumm das Gel\u00e4nde verlassen, l\u00f6st das bei allen Beteiligten \u2013 auch bei mir \u2013 Entsetzen aus. Es war sinnigerweise der 8. Mai, der \u201eTag der Befreiung\u201c. \u00a0Die in der Festschrift ver\u00f6ffentlichten Materialien zu diesen Vorg\u00e4ngen zeigen, dass die Schulleitung, Kurt Ludwig als Direktor und Klaus Mandler als Parteisekret\u00e4r, hoffnungslos \u00fcberfordert war; beide waren ja noch keine drei\u00dfig Jahre alt. Nach ein paar Tagen durften alle \u201eBeurlaubten\u201c wiederkommen. Die ganze Aktion offenbart einen bemerkenswerten Dilettantismus, der bei den sp\u00e4teren Relegationen an Oberschulen in Berlin oder an anderen Orten nicht mehr passierte: Da durfte niemand mehr wiederkommen. In dieser Kirchenkampfzeit geschah\u00a0 im hiesigen Raum etwas Bedeutsames: Mein Klassenkamerad Georg Sterzinsky hatte der FDJ-Leitung der Schule seinen FDJ-Austritt erkl\u00e4rt, und nachdem die Schulkonferenz seine Relegation angestrengt hatte, musste die Sch\u00fclervollversammlung hierzu Stellung nehmen. Ich war \u2013 hier in der Aula \u2013 zugegen. Der FDJ-Sekret\u00e4r, ein Sch\u00fcler einer Parallelklasse, forderte als Scharfmacher unnachsichtig Georgs Hinauswurf. Mir fiel auf, dass der Parteisekret\u00e4r Klaus Mandler stets milderte, ja abwiegelte. Nach einiger Zeit konnte Georg mitgeteilt werden, dass er an der Schule bleiben kann. Er studierte nach seinem Abitur in Erfurt Theologie, wurde ein ausgezeichneter katholischer Pfarrer und im September 1989 Bischof, sp\u00e4ter Erzbischof von Berlin. Klaus Mandler, der Schlimmes verh\u00fctet hatte, verlie\u00df wenige Jahre nach unserem Abitur die DDR, und Jahrzehnte sp\u00e4ter erfuhr ich, dass beide Herren Kontakte unterhielten. Es ist kein Geheimnis, dass der Bundeskanzler Helmut Kohl, der Kanzler der Einheit, sich oft telefonisch Ratschl\u00e4ge einholte. Zu den Telefongespr\u00e4chspartnern geh\u00f6rte auch mehrmals der Erzbischof von Berlin, und diese Telefonate blieben nicht folgenlos auf wichtige Entscheidungen bei der Herstellung der deutschen Einheit. Vorg\u00e4nge in diesem Raum hatten also \u2013 man kann es ohne \u00dcbertreibung sagen \u2013 gesamtdeutsche Auswirkungen, und wir sollten die Lehrer, die damals folgenreiche Entscheidungen zu treffen hatten, aber selbst unter Zw\u00e4ngen standen, nicht vorschnell verurteilen. Sie haben mehr f\u00fcr uns getan, als wir wussten.<\/p>\n<p><a>Teil 2<\/a><\/p>\n<p>In den folgenden Jahrzehnten hatte ich keine direkten Verbindungen zur Heinrich-Mann-Schule. Wohl aber kann ich zu meiner Freude aus meiner langj\u00e4hrigen Hochschullehrert\u00e4tigkeit in Leipzig sagen, dass Absolventen dieser Oberschule sich eines guten Rufes erfreuten. Es war uns klar, dass die Lehrer zwar nur begrenzte M\u00f6glichkeiten hatten, diese aber aussch\u00f6pften. Wir feierten 2004 \u2013 auch hier in dieser Aula \u2013 unser Goldenes Abitur, und dieses Fest war uns Anlass genug, in einem Memorandum die R\u00fcckbenennung \u201eGymnasium Zur Himmelspforte\u201c anzuregen. Die Presse lie\u00df das nicht unerw\u00e4hnt. Tats\u00e4chlich beschloss die Schulkonferenz am 13. September 2005 einstimmig den Namenszusatz \u201eZur Himmelspforte\u201c. Ich erhielt zur Festveranstaltung zur offiziellen Namensverleihung am 31. M\u00e4rz 2006 eine Einladung. Leider konnte ich ihr auf Grund unaufschiebbarer Berliner Verpflichtungen nicht Folge leisten. das tut mir heute noch leid.<\/p>\n<p>Wohl aber bekam ich aus erfreulichem Anlass gegen Ende der DDR, im Jahr 1988, wieder Verbindung zu Kurt Ludwig. Er hatte das hiesige Direktorat 1968 niedergelegt und war zum Kulturbund gewechselt. Dieser f\u00fchrte 1988 in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Akademie Erfurt eine Festveranstaltung zum 500. Geburtstag des Erfurter Humanisten Eobanus Hessus durch, und ich war eingeladen worden, hier einen Vortrag zu halten. Mir war klar, dass eine Wiederbegr\u00fcndung der Universit\u00e4t in Erfurt in der Luft lag, und so sagte ich gern zu. Wir freuten uns beide, Kurt Ludwig und ich, \u00fcber das Wiedersehen nun in ganz anderer Konstellation, und nach der Veranstaltung kam ein Herr auf mich zu, der f\u00fcr Erfurts Geistesleben dieser Jahre eine bedeutende Rolle spielte: Horst Rudolf Abe, langj\u00e4hriger Leiter der Abteilung \u201eGeschichte der Medizin\u201c an der Medizinischen Akademie Erfurt. Als Absolvent der \u201eHimmelspforte\u201c vom Jahre 1947, der sich in der Tradition der Porta coeli sah, f\u00fchrte er engagiert Forschungen zur Geschichte der Erfurter Universit\u00e4t und der Akademie gemeinn\u00fctziger Wissenschaften zu Erfurt durch und leitete seinen Sch\u00fcler und Mitarbeiter J\u00fcrgen Kiefer, Absolvent der Heinrich-Mann-Schule 1972, \u00a0zu weiterer Arbeit an. Die Ver\u00f6ffentlichungen beider in diesen Jahren zur Universit\u00e4tsgeschichte sind f\u00fcr die heutige Arbeit unverzichtbar, und beide spielten eine entscheidende Rolle bei der Initialz\u00fcndung zur Wiederbelebung der Akademie gemeinn\u00fctziger Wissenschaften zu Erfurt ab 1990. Ich denke, dass beide auch wussten, dass der Initiator der Realschule, des sp\u00e4teren Realgymnasiums, Ephraim Salomon Unger, zu den letzten Lehrern der hiesigen Universit\u00e4t geh\u00f6rte, bevor er seine \u201eLehranstalt\u201c , aus der unsere Schule hervorging, ins Leben rief.<\/p>\n<p><a>Abschluss<\/a><\/p>\n<p>Noch ein Weiteres sei hier genannt: Der Kulturbund Erfurt bot 1987 der Interessengemeinschaft Alte Universit\u00e4t Erfurt ein Dach, und mein langj\u00e4hriger Historiker-Kollege und Freund Ulman Wei\u00df hat zu Recht in seinem j\u00fcngst erschienenen Aufsatz zur Erfurter Universit\u00e4tswiederbegr\u00fcndung 1994 im Jahrbuch f\u00fcr Universit\u00e4tsgeschichte mit Nachdruck betont, dass in dieser B\u00fcrgerbewegung die eigentliche Keimzelle der heutigen Universit\u00e4t liegt. Beide Male, im 14. und im 20. Jahrhundert, ist die Universit\u00e4t Erfurt von B\u00fcrgern begr\u00fcndet worden. Die Rolle des Kulturbundes, an dessen Spitze Kurt Ludwig stand, bleibt meist ungenannt. Aber: Schlie\u00dft sich hier nicht ein Kreis? Das Bewusstsein, in der Tradition des Universit\u00e4tskollegs zu stehen, war so stark, dass es mit Sicherheit verantwortungsbewusste B\u00fcrger bewog, f\u00fcr eine neue Universit\u00e4t zu k\u00e4mpfen (und damit auch f\u00fcr die Wiederbelebung der juristisch nicht unterbrochenen Akademie).\u00a0 Diese Schule \u2013 gestatten Sie mir, dass ich sage: Unsere Schule \u2013 hat also f\u00fcr die kulturelle Entwicklung Erfurts und dar\u00fcber hinaus f\u00fcr unser wiedervereinigtes Land eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung, als das manchem bewusst ist. Das kann uns mit Freude erf\u00fcllen, und so sehen Sie es dem Germanisten nach, der sich zeitweise als Goethe-Philologe bet\u00e4tigte, dass er seine kurzen Worte, die sehr wohl eine Dankesrede sein sollen, mit einem Goethe-Zitat beendet. Es stammt aus dem Jahre 1817 und erschien zuerst als Motto der Zeitschrift \u201eZur Naturwissenschaft \u00fcberhaupt\u201c, die bis 1824 erschien. Goethe muss diese Verse selbst f\u00fcr wichtig gehalten haben, denn er stellte sie in der Ausgabe letzter Hand 1827 der Abteilung Gott und Welt als \u201eVorspruch\u201c voran:<\/p>\n<p><em>Weite Welt und breites Leben,<\/em><br \/>\n<em>Langer Jahre redlich Streben,<\/em><br \/>\n<em>Stets geforscht und stets gegr\u00fcndet,<\/em><br \/>\n<em>Nie geschlossen, oft ger\u00fcndet,<\/em><br \/>\n<em>\u00c4ltestes bewahrt mit Treue,<\/em><br \/>\n<em>Freundlich aufgefasstes Neue,<\/em><br \/>\n<em>Heitern Sinn und reine Zwecke \u2013<\/em><br \/>\n<em>Nun! man kommt wohl eine Strecke.<\/em>In diesem Sinne: Nochmals\u00a0 herzlichen Gl\u00fcckwunsch und ein frohes Weiter so!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4\u00dflich der Vorstellung der Festschrift &#8222;Heinrich-Mann-Gymnasium Erfurt, Staatliches Gymnasium Zur Himmelspforte 1844 -2019&#8220; hielt Prof. Dr. Bentzinger, Stiftungsrat der Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat, eine Festrede, mit der er die Zeitl\u00e4ufte der Schule bis in die Gegenwart zeichnete. Wir freuen uns, dass Herr Prof. Dr. Bentzinger seine Worte f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung an dieser Stelle zur Verf\u00fcgung gestellt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-1212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alumni2019"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1212"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1212\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fv-hmg-erfurt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}